„Digital, wo es möglich ist; Präsenz, wo es dringend notwendig ist“

MOVING (International Road Safety Association) und BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr fordern „Modul für Verkehrssicherheit und Gefahrenwahrnehmung“ als Teil der Fahrschulreform

Hamburg (nr/dm). In der laufenden Fahrschulreform haben sich MOVING (International Road Safety Association) und BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr in einer jetzt vorgelegten Stellungnahme gemeinsam positioniert. 

Da weder verbindliche Ausbildungsinhalte für Theorie und Praxis noch die Vermittlung der für die Unfallvermeidung entscheidenden Kompetenzen im Theorieunterricht den Erfolg der angestrebten Modernisierung garantieren, werde Verkehrssicherheit zur Glückssache. 

Es müsse sichergestellt werden, dass hochgradig sicherheitsrelevante Themen wie Gefahrenwahrnehmung, Selbsteinschätzung, Ablenkung oder Gruppendruck überhaupt behandelt und nicht alternativ in das unbegleitete digitale Selbstlernen verlagert würden. Gerade hier seien in Präsenz moderierte Gruppenreflexion, qualifiziertes Feedback durch Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer und die angeleitete Auseinandersetzung mit typischen Risikosituationen durch Experten unverzichtbar. 

Die Unfallforschung benennt seit Jahren dieselben Ursachenmuster: Defizite bei der Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung, Selbstüberschätzung, unangepasste Geschwindigkeit sowie Ablenkung durch Smartphones oder Mitfahrende. Diese Risiken – deutlich zunehmend durch den Konsum von Alkohol und Drogen verursacht – lassen sich nicht allein durch Wissensabfragen oder digitales Selbstlernen reduzieren, sondern brauchen ein begleitetes Präsenzformat. Dass solche Module zu deutlich mehr Verkehrssicherheit beitragen, belegen Erfahrungen in anderen Ländern wie in Schweizb und Schweden.

Für Deutschland schlagen beide Organisationen ein Modul für Verkehrssicherheit und Gefahrenwahrnehmung (MVG) in Präsenz mit folgenden Schwerpunkten vor: 

– Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung – Blicktechnik, Gefahren im Straßenverkehr, angemessene Risikoeinschätzung und Risikoakzeptanz, Antizipation, typische Fehleinschätzungen, Verhalten in gefährlichen Situationen (2 x 90Min)

– Regionale Gefahrenstrecken und Selbsteinschätzung – kritische Streckenmerkmale und Strategien zur Gefahrenvermeidung, Abbau von Selbstüberschätzung durch soziale Korrektur (1 x 90Min)

– Alkohol, Drogen, Ablenkung, Übermüdung, Gruppendruck – Emotionale Verankerung von Verhaltensstrategien (1 x 90Min)

– Geschwindigkeit, Bremsweg, Fahrphysik – Erlebbare Vermittlung physikalischer Grenzen (1 x 90Min)

  • Verkehrstaktik – Überholen, Vorfahrt, Konfliktbewältigung im Straßenverkehr (1 x 90Min) 

MOVING und BADS lehnen mit dem in Präsenz in der Gruppe durchzuführenden MVG digitale Lernformate nicht ab, sondern plädieren für eine intelligente Differenzierung: “Digital, wo es möglich ist; Präsenz, wo es zur Wahrung der Verkehrssicherheit zwingend notwendig ist”. In der Stellungnahme heißt es abschließend:

“Wir bitten Sie, sich im laufenden Prozess für die Verankerung des MVG im Referentenentwurf einzusetzen, um den verkehrsgsicherheitspolitisch gebotenen Mindeststandard zu wahren.”

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JMF-Burglengenfeld

Wie gefährlich Alkohol und THC im Straßenverkehr sein können, erfuhren die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld auf besonders eindrucksvolle Weise. An zwei Tagen waren Referenten des BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr) zu Gast und gestalteten für jede der vier 11. Klassen ein zweistündiges Präventionsprogramm, das Theorie und Praxis auf beeindruckende Weise miteinander verband.
Am ersten Veranstaltungstag begrüßte das JMF-Gymnasium Jorg Losse und Günter Losse, am zweiten Tag Manfred Stielper und Jürgen Reithmeier. Die Referenten brachten dabei einen großen Erfahrungsschatz aus ihrer langjährigen Tätigkeit in der Verkehrsprävention und – größtenteils – aus dem Polizeidienst mit.
In der ersten Unterrichtsstunde vermittelten die Referenten anschaulich die rechtlichen Grundlagen rund um Alkohol- und THC-Konsum im Straßenverkehr. Besonders eindrucksvoll waren ihre Berichte über reale Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol eine entscheidende Rolle spielte. Im Veranstaltungsraum wurde es spürbar still, als die Referenten die oft tragischen Folgen von Alkohol am Steuer schilderten. Schnell wurde deutlich, dass eine einzige falsche Entscheidung ausreichen kann, um das Leben vieler Menschen für immer zu verändern. Während des gesamten Vortrags zeigten sich die Schülerinnen und Schüler äußerst aufmerksam und interessiert. Immer wieder entwickelten sich Gespräche, bei denen Fragen gestellt und persönliche Eindrücke ausgetauscht wurden.

In der zweiten Unterrichtsstunde wurde das Gelernte unmittelbar erlebbar: An einem modernen Fahrsimulator absolvierten die Jugendlichen zunächst eine normale Autofahrt, bevor sie dieselben Szenarien unter simuliertem Alkoholeinfluss meisterten. Ob bei Nacht, auf verschneiten Straßen, auf Landstraßen oder im Stadtverkehr – schnell wurde deutlich, wie stark Alkohol Reaktionsvermögen, Konzentration und Fahrverhalten beeinträchtigt.
Parallel dazu konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Reaktionsfähigkeit an sogenannten BlazePods testen – einem Reaktionsspiel, bei dem zufällig aufleuchtende Sensoren möglichst schnell mit dem Fuß ausgeschaltet werden müssen. Die Übung wurde zunächst ohne, anschließend mit Rauschbrillen durchgeführt, die unterschiedliche Alkoholpegel simulieren. Das Ergebnis sprach für sich: Mit den Rauschbrillen sank die Trefferquote im Durchschnitt auf etwa die Hälfte. So wurde eindrucksvoll deutlich, wie stark bereits ein vermeintlich geringer Rausch Reaktionsvermögen und Koordination beeinträchtigen kann.
Lehrkraft E. Aggül zeigte sich von der Veranstaltung begeistert: „Der Fahrsimulator war weit mehr als nur eine spannende Erfahrung – er hat unseren Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll gezeigt, welche Folgen Alkohol im Straßenverkehr haben kann. Als Lehrkraft war ich begeistert: praxisnah, eindrucksvoll und mit einem nachhaltigen Lerneffekt. So sieht moderne Präventionsarbeit aus.“
Auch bei den Schülerinnen und Schülern hinterließ das Projekt bleibenden Eindruck. Eine Schülerin der 11. Jahrgangsstufe fasste ihre Erfahrungen so zusammen „Ich wusste schon, dass Alkohol am Steuer gefährlich ist. Aber im Simulator hat man erst richtig gemerkt, wie schnell man die Kontrolle verliert. Nach heute ist für mich klar: Ich steige sicher nicht zu jemandem ins Auto, der getrunken hat – und ich fahre auch nie, wenn ich Alkohol getrunken habe.“
Die beiden Präventionstage machten eindrucksvoll deutlich, dass Verkehrssicherheit nicht allein durch Regeln entsteht, sondern vor allem durch Verantwortungsbewusstsein. Das JMF-Gymnasium bedankt sich herzlich bei den Referenten des BADS für ihr großes Engagement und ihren wichtigen Beitrag zur Prävention.
T. Beck [Schuljahr 2025/26]

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